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Ars Musica to Perform in Armenia

Photo: private

BERLIN — In 1988, after massive earthquakes struck Armenia, leaving behind a trail of death, injuries, crumbled buildings and shattered lives. “That December,” Ambassador Ashot Smbatyan would later recall, “many came to our aid, from all over the world. But the help that came from the Suhl concert moved me in a special way.”

The Armenian diplomat in Berlin was referring, 30 years later, to a concert of the Boys Choir from the Thuringian city of Suhl. German television had broadcast the news of the horrendous earthquake, with dramatic footage of the devastation it had caused. Then-choir director Hubert Voigt, on learning of the natural catastrophe, had gone to Pastor Hans Michael and asked if he could organize a benefit concert on short notice. At the time, in East Germany before reunification, it was forbidden to hold concerts in the Hauptkirche St. Marien, the main church in the city. Nonetheless, the pastor spoke to Bishop Christoph Demke in Magdeburg, who relayed the request to the State Secretary for Church Affairs in Berlin, and eventually permission was granted. Invitations went out, posters (made by the pastor and his wife) appeared in the city, and the event took place just ten days after the earthquake. On December 17, 1988 a thousand people (more than the pews could accommodate) gathered for a concert where the Suhl Boys’ Choir, as well as the Suhl Horn Quartet, presented a program of Christmas music. Between tickets and donations, the concert raised the remarkable sum of twelve thousand marks. The funds were immediately transferred the following Monday to a solidarity committee bank account, earmarked “Caucasus” for immediate relief. Voigt did not emerge from the initiative unscathed; he faced disciplinary measures, and no further concerts were allowed. It was only after the fall of the Berlin Wall, just one year later, that the churches opened up officially for music, and the boys’ choir could sing freely, there and elsewhere.

Maik Gruchenberg

Three decades later in 2018, the Ars Musica choir performed an Advent concert in the Suhl Kreuzkirche under the direction of Maik Gruchenberg. Ars Musica was officially founded in 1994, its original members were men who grew up in the Suhl boys’ choir, and it expanded to 60 singers, all with musical experience as youngsters. It was on this occasion on December 23, 2018 that Ambassador Smbatyan, one among 1000 guests, made his remarks. He expressed his special appreciation of the Armenian pieces that the choir included in its program. “In my entire diplomatic career, I have never experienced a choir singing Christmas music from my homeland,” he said, adding praise for the singers’ excellent Armenian pronunciation. The 4800 Euro raised at this concert, enhanced by the choir members to 5300 Euro, arrived soon thereafter in Litsck, where the secondary school was in urgent need of renovation. The H. Tumanyan middle school, built back in 1918, provides education for a thousand children from the Gegharkunik region, including German language courses. Thorsten Weiss, chairman of Ars Musica, delivered the funds personally in April 2019, and soon thereafter the auditorium had freshly painted walls, a parquet floor, a fully renovated stage and modern seats for future audiences.

Now, Ars Musica is planning another concert tour in Armenia. As chairman of the Thuringian men’s choir and Rotarian from Erfurt, Weiss is organizing the initiative in cooperation with the German Embassy in Yerevan and Ambassador Smbatyan in Berlin. Alexan Ter-Minasyan, who is Honorary German Consul in Gyumri and very active in the cultural life of the region, is actively supporting the effort.

To launch the tour, Ars Musica will perform on July 18 in the German city of Halle, which has a partnership with Gyumri. Gyumri will host a concert on August 22, and diplomats as well as local political leaders plan to attend both events. Other concerts will take place at the small monastery in Tatev, on August 17, and two days later in Garni and the Geghard monastery. They will perform in Yerevan on August 20 and 28, the latter concert in the Komitas Museum. On August 21, they will sing in Echmiadzin, on the occasion of the 70th birthday of Catholicos of All Armenians Karekin II Nersissian. And on August 27, they will be in Litschk, to inaugurate the newly renovated auditorium at the Tumanyan school.

Ars Musica mit Proben, Konzerten und Touren

Zu einem Probenlager haben sich kürzlich die Sänger des Männerchores Ars Musica in Naumburg getroffen. Eigentlich hätten sie zu dieser Zeit auf Konzertreise in Armenien sein wollen.

Neben Proben und Konzerten im Naumburger Dom (Foto rechts) standen auch andere Unternehmungen wie eine Bootstour auf dem Programm des Probenlagers.

Suhl – Bei ihrem Weihnachtskonzert vor zwei Jahren hatten die Sänger von Ars Musica, die allesamt dem Suhler Knabenchor entwachsen sind, Spenden für eine Schule in Litschk (Armenien) gesammelt. Die wurde längst überbracht und genutzt, um die Schule, in der über 1000 Kinder unterrichtet werden, auf Vordermann zu bringen. Ein ganz großer Wunsch neben vielen anderen: Die Aula soll wieder nutzbar werden – für Veranstaltungen beispielsweise. Das alles ist inzwischen gelungen.

Grund genug für Ars Musica, die Einladung anzunehmen und zu einer Konzertreise Richtung Armeinien aufzubrechen. Aber auch aus diesen Vorhaben wurde nichts – Corona hat einmal mehr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Blieb den Sängern, für ein verlängertes Wochenende ein Probenlager in Naumburg durchzuführen. Dafür hatten sie sich in eine Jugendherberge eingemietet, in der auch der MDR-Kinderchor probt.

Während des Wochenendes standen naturgemäß gemeinsame Proben und auch Konzerte der Männer, die das Leben in alle Ecken Deutschlands und über die Ländergrenzen hinaus verschlagen hat, auf dem Programm.

Am 4. Advent in Suhl

So hatten die Männer drei Konzerte unter Leitung von Maik Gruchenberg im ehrwürdigen Naumburger Dom absolviert. Hier standen unter anderem Lieder von Janczak, Mendelssohn, Beethoven und andere auf dem Programm. Aber auch Volkslieder wie “Muss i denn” oder “Der frohe Wandersmann ” waren zu hören. Doch nicht nur das Singen prägte die Tage im Probenlager. Daneben haben sich die 26 Männer auch die einstige Zisterzienserabtei Pforta angeschaut, von den hiesigen Weinen probiert und auch eine Bootstour unternommen. So alles wie geplant läuft, sind die Sänger in ihrer Heimat Suhl auch in diesem Jahr traditionsgemäß am vierten Advent in der Kreuzkirche zu erleben.

Der Thüringer Männerchor Ars Musica wurde 1994 von ehemaligen Sängern des Knabenchors der Suhler Philharmonie gegründet und hat sich seitdem zu einem eigenständigen Klangkörper mit überregionaler Bedeutung und internationaler Konzerterfahrung entwickelt. ike

Das Phänomen Ars Musica

Der Thüringer Männerchor Ars Musica ist ein Phänomen. Er vereinigt Sänger, die im Suhler Knabenchor ihre Gesangskarriere begonnen haben und heute noch eine eingeschworene Gemeinschaft sind.

von Heike Hüchtemann
Ars Musica steht für Qualität. Und für Beständigkeit. Die Wurzeln des Chores reichen bis in das Jahr 1972 zurück. Bis in das Jahr also, in dem Hubert Voigt den Suhler Knabenchor gegründet hat. Als Knaben haben viele der Männer ihre Gesangskarriere begonnen, die heute noch ihrer Leidenschaft frönen. Und ihre Gemeinschaft pflegen, in der viele Freundschaften gewachsen sind. Einmal im Monat gibt es ein Probenwochenende in Suhl, was insofern bemerkenswert ist, als dass die wenigsten der Sänger noch in Suhl leben. Manche reisen sogar aus Bern und Lissabon an, andere aus den verschiedensten Ecken Deutschlands. Das unterstreicht die Liebe zum Gesang und die Ernsthaftigkeit, mit der die etwa 30 Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren ihr wunderbares Hobby betreiben.

Die Weihnachtskonzerte von Ars Musica am vierten Advent in der Suhler Kreuzkirche haben seit 20 Jahren Tradition. Ebenso wie das soziale Engagement der Sänger, die jährlich einen Teil des Erlöses sowie gesammelte Spenden einem sozialen Zweck zukommen lassen. Archivfoto: frankphoto.de

Der Chor, der seit 2018 unter der künstlerischen Leitung von Maik Gruchenberg steht, hat sich der Pflege des traditionellen Männerchorgesangs ebenso verschrieben der Darbietung zeitgenössischer Werke aus der anspruchsvollen Chorliteratur. Höhepunkte der Chorgeschichte von Ars Musica waren Konzertreisen nach China, Südafrika, Chile, Japan, Portugal, Rumänien sowie die Teilnahme an internationalen Chorwettbewerben in Kaluga (Russland), Prag und Wernigerode, wo Ars Musica in der Kategorie “Anspruchsvoller Männerchorgesang” das Goldene Diplom erhielt.

Stimmen voller Glanz, der frei wirkende Fluss der Tempi, schier schwebende, glasklare Töne, lupenreine Intonation – diese Worte finden Kritiker der Konzerte von Ars Musica nur zu gern.

Schöne Tradition ist, dass die Sänger in der Stadt Suhl, in der sie groß geworden sind, immer am vierten Advent ein Weihnachtskonzert in der Kreuzkirche geben. Seit mehr als 20 Jahren können sich die Suhler und ihre Gäste darauf verlassen. Und sie wissen diese Konzerte sehr zu schätzen. Meist füllen mehr als 1000 Besucher das Gotteshaus. Tradition ist auch, dass ein Teil des Erlöses aus diesen Konzerten, sowie die unter den Besuchern gesammelten Spenden, einem sozialen Projekt zugute kommen. Am vierten Advent 2018 kamen so 5300 Euro zusammen, die für die Sanierung einer Schule in einem kleinen armenischen Dorf gespendet werden. So versteht es Ars Musica immer wieder dem Weihnachtsfest ein helles Licht aus wunderbarem Gesang und Mitmenschlichkeit aufzusetzen. Nach Abschluss der Arbeiten werden die Sänger nach Armenien reisen und ein Konzert geben.

Für das Südthüringer Chorfestival studieren die Männer “Wer hat dich du schöner Wald” von Felix Mendelssohn Bartholdy ein sowie “Veronika, der Lenz ist da” ein. Letzteres gilt als einer der bekanntesten Schlager im Repertoire der Comedian Harmonists.

Ars Musica ist nicht nur zum 2 Südthüringer Chorfestival am 11. Mai, ab 17 Uhr im CCS zu erleben, sondern auch danach – am 16. Juni um 16 Uhr in Themar in der Bartholomäuskirche.

Fest-Einstimmung vom Feinsten

So wie es die Suhler kennen und lieben setzt in diesem Jahr der Männerchor Ars Musica wieder den glänzenden Schlusspunkt hinter die Reihe der Adventskonzerte. Und das mit bewegendem Hintergrund.

Von Heike Hüchtemann
Suhl – Nein, die Suhler haben die Sänger des Thüringer Männerchores nicht vergessen. Auch wenn der im vergangenen Jahr aussetzen musste und es kein Adventskonzert in die Kreuzkirche gab, so wie in den 24 Jahren zuvor. Ihr langjähriger Leiter Hubert Voigt ging in den Ruhestand und ein neuer Leiter war noch nicht verfügbar. Jetzt ist er da: Maik Gruchenberg. Und was er mit den Sängern in das Gotteshaus zaubert, das einmal mehr über 1000 Suhler und deren Gäste füllen, ist eine Einstimmung auf das Weihnachtsfest nach Maß. Das meint nicht nur das anspruchsvolle Programm, die stimmlichen Qualitäten der Sänger und das brillante Orgelspiel von Philipp Christ. Es sind auch die Momente, die das Herz wärmen.

Foto: frankphoto.de
Bewegende Erinnerung
Da ist diese Erinnerung an das Konzert des Knabenchores vor 30 Jahren, als viele der heutigen Ars Musica-Sänger noch kleine Jungs waren. Armenien wurde von einem Erdbeben erschüttert und zu großen Teilen zerstört. Knabenchor-Leiter Hubert Voigt wollte mit Pfarrer Hans Michael helfen, Spenden sammeln – mit einem Konzert in der Kirche. Sie hatten es trotz vieler Widerstände und des Verbotes, in der Kirche aufzutreten, geschafft. 12 000 Mark sind damals zusammengekommen. In Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis, werden nun wieder für Armenien Spenden gesammelt. Für eine Schule in einen armenischen Dorf. Der Botschafter Armeniens in Deutschland, Seine Exzellenz Ashot Smbatyan, hat es sich nicht nehmen lassen, genau dieses Konzert zu besuchen, mit dem seinem Heimatland erneut geholfen werden soll. „In jenem Dezember 1988 standen uns viele in der Welt hilfreich zur Seite, aber die Hilfe, die vor 30 Jahren von dem Suhler Konzert zu uns kam, hat mich besonders bewegt“, sagt der Botschafter. Bis heute seien nicht alle Wunden geheilt und es berühre ihn
sehr, dass erneut von Suhl aus Armenien Hilfe angeboten wird. Und das auf eine ganz wunderbare Weise. Denn Ars Musica hat in sein Programm ein armenisches Weihnachtslied aufgenommen, dessen Interpretation Ashot Smbatyan in höchsten Tönen lobt. Selbst die Sprache sei sehr authentisch rübergekommen. „Ich habe in meiner ganzen Amtszeit noch nicht erlebt, dass ein Chor ein Weihnachtslied aus meiner Heimat gesungen hat“, sagter sichtlich ergriffen. Zu diesem Stück gesellen sich alte Lieder wie „Tochter Zion, freue dich“ von Georg Friedrich Händel, das der Chor in einer Bearbeitung von Wolfram Buchenberg (geboten 1962) singt. Zu hören ist auch „Hoch tut euch auf“ von Christoph Willibald Gluck. Ebenso eine Melodie aus Frankreich, die den Titel „Veni Emmanuel“ trägt. „Schöner Stern, da bist du wieder, weckst in uns die alten Lieder“ – diese und noch mehr schöne Zeilen von Ludwig Winand (geboren 1940) tragen die Männer über ihre Stimmen durch das Kirchenschiff, bevor Philipp Christ an der Eilert-Köhler-Orgel das Concerto G-Dur von Johann Sebastian Bach spielt.
5000 Euro für die Schule In stimmigem Kontrast dazu lässt Ars Musica „Hallelujah“ von Leonard Cohen in einem Arrangement von Maik Gruchenberg erklingen und „Whisper! Whisper“ von Jay Althouse, um dann von der Moderne wieder zu alten Liedern wie „Maria durch ein Dornwald ging“ zu schwenken. Dieser faszinierende Mix bekommt durch das Concerto in B von Georg Friedrich Händel – gespielt von Philipp Christ an der Orgel – eine weitere wohlklingende Zutat. Und die erinnert an ein verpasstes (oder verspätetes) kleines Jubiläum. Denn 2017 – in dem Jahr also, in dem Ars Musica kein Adventskonzert gab – ist es genau zehn Jahre her gewesen, dass erstmals in alter neuer Schönheit die Eilert-Köhler-Orgel nach ihrer Restaurierung den feierlichen Rahmen für ein Konzert des
Männerchores bot. Für deren Wiederherstellung hatten sich auch die Sänger in früheren Auftritten eingesetzt und Teile der Konzerterlöse gespendet. So wie in diesem Jahr für die Schule in Armenien. Bei dem Konzert am Sonntagnachmittag sind sage und schreibe 4862 Euro zusammengekommen. Die Sänger haben auf 5000 Euro aufgerundet. „Ein großartiges Ergebnis“, sagt Torsten Weiß, der ankündigt, dass der Chor die Spende selbst in das kleine Dorf in Armenien bringen wird. Und wer weiß, vielleicht geben die Männer dort auch ein Konzert. Möglicherweise in der Schule?

Mehr als 1000 Menschen sind in die Kreuzkirche gekommen, um nach einjähriger Pause wieder ein Adventskonzert mit Ars Musica zu erleben. Und das stand diesmal im Zeichen der Hilfe für eine Schule in Armenien.
Besser hätte die Einstimmung auf das Weihnachtsfest wirklich kaum gelingen können. Schöner Gesang und feine Musik, die es nicht nur zum Vergnügen des Publikums gibt, sondern auch mit Gedanken an Menschen, die Hilfe brauchen. Gut gestimmt und mit gewärmten Herzen, entlässt Ars Musica sein Publikum in die Weihnachtstage. Allerdings nicht ohne, mit den Zuhörern gemeinsam „Seht, die gute Zeit ist nah“ zu singen und nach Klassikern wie „Süßer die Glocken nie klingen“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“ Zugaben beispielsweise mit „Stille Nacht“ zu geben. So freut sich Suhl nicht nur auf das Fest, sondern auch darauf, dass nun alle Jahre wieder Ars Musica dem vierten Advent ein helles Licht aus wunderbarem Gesang und Mitmenschlichkeit aufsetzt.

Chorkonzert in der Kirche – Einst verboten, nun schöne Tradition

Die Konzerte des Männerchores Ars Musica gehören in Suhl zur Vorweihnachtszeit wie der Weihnachtsbaum zum Fest. In diesem Jahr gibt es mit dem Konzert einen Blick 30 Jahre zurück.

Von Heike Hüchtemann
Suhl – Der Thüringer Männerchor Ars Musica ist mit seinem Konzert nicht wegzudenken aus der vorweihnachtlichen Zeit, in die so ganz allmählich Besinnung Einzug hält. Wenn sich am 23. Dezember, also am vierten Advent die Suhler und ihre Gäste in der Kreuzkirche versammeln, um sich von Ars Musica unter Leitung von Maik Gruchenberg auf Heiligabend einstimmen zu lassen, wird es nicht nur musikalische Genüsse geben. Sondern auch eine Erinnerung. Und zwar an das Konzert vor 30 Jahren. 1988 flimmerten erschütternde Bilder vom Erdbeben in Armenien über die Bildschirme der Republik. Getrieben von dem Wunsch zu helfen, organisierten der ehemalige Chorleiter des Suhler Knabenchores Hubert Voigt und das Pfarrerehepaar Michael ein Solidaritätskonzert in der Marienkirche.
Ohne große Werbung kamen etwa 1000 Besucher in die Kirche und spendeten 12 000 Mark für die Menschen in Armenien. Auf diese Geschichte ist Anke Riese bei ihren Recherchen über den Suhler Knabenchor gestoßen. Einige der Sänger von damals, die heute zum Thüringer Männerchor Ars Musica gehören, erinnern sich heute noch daran, bei anderen ist die Erinnerung verblasst. Die soll nun wieder aufgefrischt werden, zumal sie mehr als ein Stück Chorgeschichte zu erzählen vermögen. Die mehr als 100 Jungen vom Knabenchor der Suhler Philharmonie waren wieder fast jedes Adventswochenende unterwegs. In jenen Dezembertagen vor 30 Jahren haben sich Chorleiter und Pfarrer etwas getraut, was bis dato unmöglich schien. Sie wollten helfen und Spenden sammeln für das gebeutelte Armenien. Und zwar mit einem Konzert in der Hauptkirche. Auf die Konzertankündigung eagieren als erstes die Bezirksstellen der SED. Sie verbieten Hubert Voigt mit dem Knabenchor, in der Kirche zu singen. Über Bischof Christoph Demke in Magdeburg, der in Berlin bei Kurt Löffler, Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR, intervenierte, gelang es, beim Rat des Bezirkes Suhl doch noch die Erlaubnis für das Konzert zu erwirken. Die Vorbereitungszeit war denkbar knapp. Mehr als drei Tage blieben nicht für die Werbung sowie für den Verkauf der Eintrittskarten. Auf die Suhler war Verlass. Es kamen so viele, dass die Kirchenbänke nicht ausreichten. So voll war die Kirche viele Jahre nicht gewesen. Das Gotteshaus war geschmückt und beheizt und es verbreitete sich eine ganz besondere Stimmung.

Mit ihrem Konzert am 17. Juni dieses Jahres haben die Sänger von Ars musica hören lassen, dass sie wieder da sind und auch in der Auftrittspause nichts an
Qualität eingebüßt haben. Archivfoto: frankphoto.de

Verbot hielt nur ein Jahr
Der Knabenchor sang unter anderem Bachs „O Jesulein zart“, „Es ist ein Ros entsprungen“ oder auch „Tausend Sterne sind ein Dom“. Mit dabei war das Suhler Hornquartett, das auch weihnachtliche Weisen spielte. Gemeinsam sangen Chor und Publikum „Guten Abend, schön Abend“ und „Oh Tannenbaum.“ Für Hubert Voigt blieb das Konzert nicht ohne Folgen. Er musste sich disziplinarisch verantworten. Weitere Kirchenkonzert werden ihm strikt verboten. „Dass dieses Verbot ein Verfallsdatum hat, wissen die, die es Anfang 1989 aussprechen, noch nicht. Fast genau ein Jahr später, am 16. Dezember 1989, begeisterte der Suhler Knabenchor das Publikum in der Marienkirche Würzburg und trat am 21. Dezember mit seinem Weihnachtsprogramm in der Zellaer Kirche St. Blasii auf“, heißt es in dem Text, den Anke Riese für das diesjährige Programmheft geschrieben hat. Inzwischen haben Konzerte sowohl des Suhler Knabenchores als auch
des Männerchores Ars Musica eine fast 30-jährige Tradition. Tradition hat auch, dass sich die Sänger, die dem Knabenchor längst entwachsen sind und ihre gut gewachsene Gemeinschaft weiter im Männerchor Ars Musica pflegen, soziale Projekte wie beispielsweise die Suhler Kindertafel oder eine Armenschule in Santiago de Chile unterstützen.
Vor dem Hindergrund des Solidaritätskonzertes von vor 30 Jahren werden in diesem Jahr Spendengelder gesammelt, die wieder nach Armenien gehen sollen. Und zwar in das kleine und sehr abgelegene Dorf Litschk, das dringend Geld braucht, um seine Schule zu renovieren und auch die Aula wieder nutzbar zu machen. Vorher aber singen die Männer mit den schönen Stimmen Weihnachtslieder aus alter und jüngerer Zeit. Dazu gibt es Musik, für die Philipp Christ an der Eilert-Köhler-Orgel sorgt.

Generalprobe für Konzert, mit dem auch 30 Jahre zurückgedacht wird

Der Thüringer Männerchor Ars Musica hatte am 1. Adventsonntag zwar nur ein kleines Publikum in der Dreieinigkeitskirche in Stützerbach, aber eine große Aufgabe. Dies war die Generalprobe für das Weihnachtskonzert.

Stützerbach/Suhl – Lukas Annemüller war begeistert, als der Thüringer Männerchor Ars Musica aus Suhl in der Stützerbacher Kirchgemeinde nachfragte, ob er dort am ersten Adventsonntag ein Konzert geben dürfe.
Dass es nur ein kleines Publikum wurde, lag am kurzfristig gesetzten Termin. Eigentlich wollten die Sänger, die allesamt dem Suhler Knabenchor entwachsen sind, in der Kirche in Frauenwald singen. Da dort aber an diesem Tag die Frauenwalder Weihnacht gefeiert wurde, mussten sie ausweichen. „Wir haben geschaut, was in der Nähe liegt“, sagt Maik Gruchenberg, der den Chor leitet. Im Abstand von vier Wochen treffen sich die Sänger an den Wochenenden zu Proben. Aus ganz Deutschland und dem Ausland kommen sie dafür in ihren Heimatort Suhl. Zum Schluss der Probephase wurde eine Möglichkeit gesucht, das gerade erarbeitete Programm vor Publikum vorzustellen. Somit war der Auftritt die Generalprobe für das Konzert, das am vierten Advent in der Suhler Kreuzkirche stattfindet.

Der Thüringer Männerchor Ars Musica gab in der Dreieinigkeitskirche in Stützerbach ein Konzert. Foto: Marina Hube


„Wir haben relativ viele neue Stücke“, sagt der Chorleiter. Das Publikum war begeistert und nicht nur Lukas Annemüller, der zwischen den Gesangpartien weihnachtliche Orgelmusik spielte, bekam ein Kribbeln auf der Haut, bei diesen klaren Stimmen, die die anspruchsvolle Chormusik perfekt interpretierten.Natürlich forderten sie auch das Publikum auf, ein Lied mitzusingen. Und so füllte sich der Kirchenraum der Dreieinigkeitskirche mit dem gemeinsamen Gesang vom „Stern über Bethlehem“.
Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass Ars Musica zum vierten Advent in Suhl zu hören ist. Nach der Verabschiedung von Hubert Voigt musste das Weihnachtskonzert im vergangenen Jahr ausfallen. Nun findet es wieder statt – am Sonntag, 23. Dezember, 15 Uhr, in der Kreuzkirche. Und das unter der neuen Leitung von Maik Gruchenberg. Der ehemalige Suhler ist heute als Sänger des Opernchores in Halle und als Leiter der Halleschen Kantorei bekannt. Erklingen wird traditionelle und moderne Advents- und Weihnachtsmusik, unter anderen von Georg Friedrich Händel, Michael Praetorius und Leonard Cohen. An der Orgel wird Kantor Philipp Christ zu erleben sein.
Aber nicht nur weihnachtlich geprägt wird dieses Konzert sein. Es wird auch an ein Ereignis von vor 30 Jahren erinnern. Am 7. Dezember 1988 gab es ein verheerendes Erdbeben in der damaligen Sowjetrepublik Armenien, in dessen Folge über 25 000 Tote zu beklagen waren. Millionen Menschen waren von Obdachlosigkeit betroffen – mitten im eisigen Winter des Kaukasus. Hubert Voigt und der damalige Pfarrer Michael riefen zu einem Benefizkonzert in die Suhler Hauptkirche auf, welches dann nur zehn Tage später stattfand.
Über 1000 Suhler folgten dem Aufruf und gemeinsam konnten 12 000 Mark zugunsten der armenischen Erdbebenopfer gespendet werden. Dieses Konzert, kurzfristig organisiert und durchgeführt von einem staatlichen Ensemble in einer Kirche mit einem solchen Besucherandrang, war unter den damaligen politischen Verhältnissen etwas Außergewöhnliches, und es ergaben sich daraus auch disziplinarische Konsequenzen für die Initiatoren. 30 Jahre später möchte der Thüringer Männerchor Ars Musica mit vielen ehemaligen Sängern des Suhler Knabenchores an dieses Ereignis erinnern und mit einem Teil der Konzerterlöse die Arbeit der Mittelschule von Litschk in der armenischen Region Gegharkunik unterstützen. Das Dorf Litschk hat etwa 3000 Einwohner und befindet sich in einer abseits gelegenen Region mit schwacher Infrastruktur und hoher Arbeitslosigkeit. Die Schule hat sich Deutsch als erste Fremdsprache gewählt.

Berichte

Gruchenberg: „Das ist etwas, das zu einem kommt, wenn’s sein soll“

Den Prince of Denmark’s March zum Auftakt an der Orgel zu geben – ein geschickter Zug des Maik Gruchenberg. Passend für das Konzert des Männerchores Ars Musica, auf das das Publikum geradezu gewartet zu haben scheint.

Von Heike Hüchtemann
Suhl – Festlich und voller Freude nimmt das Konzert von Ars Musica Fahrt auf. Maik Gruchenberg spielt den Prince of Denmark’s March von Jeremiah Clarke (1674 – 1707) an der Wagner-Orgel in der Hauptkirche. An der Orgel also, an der er, der in Suhl aufwuchs, seine ersten Musizier-Versuche unter Anleitung von Elisabeth Schubert unternommen hat. Jetzt ist er (Bariton) Mitglied im Opernchor Halle, tritt solistisch auf, gibt Orgelkonzerte und leitet die Hallesche Kantorei. Und seit Anfang dieses Jahres auch den Männerchor Ars Musica. Zum Glück. Das hat sicher mancher im großen Publikum am Sonntag gedacht. Denn nachdem Hubert Voigt, der den Suhler Knabenchor aus der Taufe hob und dann auch die Männer unter seine Fittiche nahm die Leitung von Ars Musica abgeben musste, hing der Chor, dessen Sänger allesamt dem Suhler Knabenchor entwachsen sind, in der Luft.Das schon selbstverständliche Weihnachtskonzert fiel aus. Aber die Sänger sind sich und ihrer Gemeinschaft auch über die Durststrecke hinaus treu geblieben. Und sie wurden dafür mit einem neuen Leiter belohnt. Mit Maik Gruchenberg.

Der Männerchor Ars Musica gab am Sonntag ein begeisterndes Konzert in der sehr gut besuchten Suhler Hauptkirche. Foto: M. Bauroth

Musikalischer Scherz
Auch das Publikum ist treu. Und zwar „ihren“ Sängern, die ihm dafür einen Zwischenapplaus spendieren. Eine schöne Geste, die sich stimmig einfügt in das Programm, das einiges an Bekanntem im überarbeiteten Gewand bereithält und auch Neues. „Hebe deine Augen auf“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 -1847) beispielsweise. Oder „Trösterin Musik“ aus der Feder von Anton Bruckner (1824 – 1896), mit dem die Männer auf feinste Weise zum beinahe atemlosen Zuhören zwingen. Für Entspannung sorgt Gruchenberg mit einem musikalischen Scherz von Gottfried Fischer (1924 – 2009) an der Orgel, an der er sechs Variationen von „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ à la Wolfgang Amadeus Mozart spielt.
Und wieder nehmen die Männer Aufstellung und lassen solch bekannte Weisen wie „Der Lindenbaum“ von Franz Schubert oder „Das Heimattal“ von Fritz Stein mit ihren brillanten Stimmen erklingen, bevor sie die „Brüderschaft“ von Simon Breu vortragen. Das Lied also, das viele vielleicht unter dem Titel „Im Krug zum grünen Kranze“ kennen. Den haben die Sänger zum Besten gegeben, als sie während eines Probenwochenendes
in Halle in ein Gasthaus einzogen, das genau diesen Namen trägt. Und was machen die Männer? Sie singen los. Zur Freude des Wirtes, der anderen Gäste und zu ihrer eigenen. So sind sie eben. Sie leben ihr Hobby, ihre Gemeinschaft und pflegen beides mit gebotener Behutsamkeit und mit Engagement, das spürbar wird. Auch beim Singen des norwegischen Tanzes „Halling“ von Edvard Grieg, dessen Text aus solchen Wortern besteht wie
Schrumm und Heisa dudel deia. Wie herrlich ein quasi Nicht-Text klingen kann, das lässt Ars Musica hören.
Und das in einer ebensolchen stimmlichen Qualität wie „Kyrie“ „De Profundis“ und „Sanctus“ des zeitgenössischen polnischen Komponisten Piotr Janczak. Dazwischen setzt Gruchenberg Orgelstücke von Grieg und Boöllmann, mit denen er die Seele berührt. Was Wunder, dass das Publikum begeistert ist, Zugabe um Zugabe fordert, die Ars Musica gerne gibt unter anderem mit „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ und „Veronika, der Lenz ist da“.

Schwer vorstellbar, dass der Nachklang dieses wunderbaren Konzertes kurz nach dessen Ende im grölenden Getaumel von Fußball-Deutschland untergehen soll. Es gibt nichts zu grölen, sodass dem Nachklang eine
Chance fürs Überleben bleibt …Ars Musica ist wieder da. Das und den guten Faden, den die Sänger mit ihrem neuen Leiter spinnen, honoriert das Publikum mit tosenden Applaus. Maik Gruchenberg, der ob der Anstrengungen beim Dirigieren, Musizieren und Treppensteigen zwischen Chorraum und der Orgel hoch über ihm ins Schwitzen kommt, ist dankbar für diesen Erfolg. „Mir ist heute bewusst geworden, dass man sich für eine Chorleiterstelle für ein Ensemble wie Ars Musica eigentlich gar nicht bewerben kann. So etwas wie die Gemeinschaft dieser tollen Männer kommt zu einem, wenn es sein soll“, sagt er. Es soll sein – ganz offensichtlich.

Gruchenberg tritt für Ars Musica in die Fußstapfen des Hubert Voigt

Wie der Zufall so spielt. Als der Männerchor Ars Musica im Advent 2016 sein Abschiedskonzert gab, war Maik Gruchenberg im Publikum. Einfach so als Zuhörer. Jetzt ist er Leiter des Chores, der auf die Bühnen zurückkehren wird.

Von Heike Hüchtemann
Suhl – „Tempo aufnehmen und noch mal.“ Maik Gruchenberg steht am Klavier, scheint jeden einzelnen Sänger im Blick und jede Stimme im Ohr zu haben. Hier der Hinweis, einen Akzent zu setzen, dort die Aufforderung, etwas sportiver rüber zu kommen und die Ermahnung, dass die anderen Stimmen den Bässen nicht ins Wort fallen sollen. All das ist an die Adresse derer gerichtet, die sich vor 24 Jahren im Männerchor Ars Musica zusammengetan haben. Fast genauso lange konnten sich die Suhler darauf verlassen, dass sie von den Sängern, die allesamt dem Suhler Knabenchor entwachsen sind, auf das Weihnachtsfest eingestimmt werden.

Bestens gefüllte Kirchen waren an der Tagesordnung, wenn sich Ars Musica zum Konzert angesagt hat. Was Wunder, brillieren die Männer doch mit stimmlichen Qualitäten, die es nicht von der Stange gibt. Sie sind ausgebildet worden vor allem von dem Mann, der 1972 den Suhler Knabenchor aus der Taufe hob – von Hubert Voigt. Bis 2016 hatte er die Männer, von denen er viele schon seit dem Knabenalter kennt, unter seinen Fittichen. Dann schwanden ihm die Kräfte. Hubert Voigt verabschiedete sich von dem Chor, mit dem ihm so vieles verbindet.

Frage nach der Zukunft
Die etwa 40 Sänger standen seitdem vor der Frage, wie es weitergehen solle. Proben gab es freilich noch, zu denen die Sänger aus allen Himmelsrichtungen nach Suhl kommen. Aber ohne Leiter blieb die Frage nach der Zukunft. Die ist jetzt beantwortet. Maik Gruchenberg hat die Leitung übernommen. Der gebürtige Erfurter, der in der Suhler Hainbergsiedlunggroß geworden ist, hat quasi parallel zum Knabenchor seine Karriere als Sänger und Musiker gestartet. Als 15-Jähriger hat er in der Suhler Kantorei angefangen und nach dem Klavier-auch Orgelunterricht bei Elisabeth Schubert bekommen. Dass seine berufliche Karriere von der Musik geprägt sein würde, war aber erst absehbar, nachdem seine Ausbildung als Lokführer der Wende zum Opfer fiel.
„Ich habe dann ganz intensiven Orgelunterricht genommen, 1992 mit dem Kirchenmusikstudium in Halle begonnen und ein Aufbaustudium für Lied- und Oratoriengesang drangehängt“, gibt der 45-Jährige einen kleinen Einblick in seine Vita. Zu der gehört auch, dass er seit 1999 als Bariton Mitglied im Opernchor Halle ist, dass er solistisch auftritt, Orgelkonzerte gibt und die Hallesche Kantorei leitet.
Damit und als Familienvater dreier Kinder hat er eigentlich gut zu tun. Aber als die Anfrage von Ars Musica kam, konnte er nicht widerstehen. „Schon bei der ersten Probe habe ich gespürt, dass dieser Chor etwas besonderes ist, das ich weiter entwickeln kann. Und ich hatte irgendwiedas Gefühl, als würden wir uns ewig kennen“, sagt Gruchenberg, dem es eine Freude und Ehre ist, in die großen Fußstapfen des Hubert Voigt treten
zu dürfen. Er sagt’s und schaut aus dem Fenster der Musikschule, in der gerade die Probe läuft, und lächelt.
Tatsächlich, genau in dieser Schule (da war sie noch die Rimbach-Schule) hat er einst gelernt. Da schließt sich ein Kreis. Die Männer und ihr neuer Chef verstehen sich, das ist zu hören. „Das ist eine echt coole Sache, dass wir Maik jetzt haben. Ihn als Leiter zu engagieren haben wir beschlossen und damit auch zu akzeptieren, dass manches eben anders ist und sein wird“, sagt Thorsten Weiß. Cool ist auch, dass die Sänger im Chor auch während der Zeit ohne Leiter beieinander geblieben sind. Mehr noch, sie haben Nachwuchs bekommen – junge Männer, die im Knabenchor groß geworden sind.

Die etwa 40 Sänger standen seitdem vor der Frage, wie es weitergehen solle. Proben gab es freilich noch, zu denen die Sänger aus allen Himmelsrichtungen nach Suhl kommen. Aber ohne Leiter blieb die Frage nach der Zukunft. Die ist jetzt beantwortet. Maik Gruchenberg hat die Leitung übernommen. Der gebürtige Erfurter, der in der Suhler Hainbergsiedlung groß geworden ist, hat quasi parallel zum Knabenchor seine Karriere als Sänger und Musiker gestartet. Als 15-Jähriger hat er in der Suhler Kantorei angefangen und nach dem Klavier-auch Orgelunterricht bei Elisabeth Schubert bekommen. Dass seine berufliche Karriere von der Musik geprägt sein würde, war aber erst absehbar, nachdem seine Ausbildung als Lokführer der Wende zum Opfer fiel.
„Ich habe dann ganz intensiven Orgelunterricht genommen, 1992 mit dem Kirchenmusikstudium in Halle begonnen und ein Aufbaustudium für Lied- und Oratoriengesang drangehängt“, gibt der 45-Jährige einen kleinen Einblick in seine Vita. Zu der gehört auch, dass er seit 1999 als Bariton Mitglied im Opernchor Halle ist, dass er solistisch auftritt, Orgelkonzerte gibt und die Hallesche Kantorei leitet.
Damit und als Familienvater dreier Kinder hat er eigentlich gut zu tun. Aber als die Anfrage von Ars Musica kam, konnte er nicht widerstehen. „Schon bei der ersten Probe habe ich gespürt, dass dieser Chor etwas besonderes ist, das ich weiter entwickeln kann. Und ich hatte irgendwiedas Gefühl, als würden wir uns ewig kennen“, sagt Gruchenberg, dem es eine Freude und Ehre ist, in die großen Fußstapfen des Hubert Voigt treten
zu dürfen. Er sagt’s und schaut aus dem Fenster der Musikschule, in der gerade die Probe läuft, und lächelt.
Tatsächlich, genau in dieser Schule (da war sie noch die Rimbach-Schule) hat er einst gelernt. Da schließt sich ein Kreis. Die Männer und ihr neuer Chef verstehen sich, das ist zu hören. „Dasist eine echt coole Sache, dass wir Maik jetzt haben. Ihn als Leiter zu engagieren haben wir beschlossen und damit auch zu akzeptieren, dass manches eben anders ist und sein wird“, sagt Thorsten Weiß. Cool ist auch, dass die Sänger im Chor auch während der Zeit ohne Leiter beieinander geblieben sind. Mehr noch, sie haben Nachwuchs bekommen – junge Männer, die im Knabenchor groß geworden sind.

Nachwuchs für den Chor
Da wäre Patrick, der mit seinem Vater Olaf Zänglein im Chor singt. Oder Philipp Seltmann, Gregor Heinrich sowie Hendrik Weiske. Sie alle studieren in Leipzig beziehungsweise Weimar und freuen sich auf die Chorproben in der Heimat. Und auch auf die Auftritte mit Ars Musica. Den ersten unter Leitung von Maik Gruchenberg wird es übrigens am 17.Juni in der Hauptkirche geben. Auch am 4. Advent können sich die Suhler und ihre Gäste auf ein Konzert mit Ars Musica freuen. Dann ist alles wieder so, wie man das seit etwa 20 Jahren gewohnt ist in Suhl. Vielleicht aber auch ein bisschen anders.

Abschiedskonzert voller Wohlklang und Dankbarkeit

Mit einem großartigen Weihnachtskonzert haben die Sänger von Ars Musica ein stimmliches Glanzlicht in den weihnachtlichen Konzert-Reigen gesetzt. Und: Sie haben sich verabschiedet von der Suhler Bühne.

Von Heike Hüchtemann
Suhl – Eine schöne Tradition, dass die Sänger in der Stadt, in der sie groß geworden sind, am vierten Advent ein Weihnachtskonzert in der Kreuzkirche geben. Seit mehr als 20 Jahren können sich die Suhler und ihre Gäste auf die Männer verlassen und deren Einstimmung auf das Fest. So auch in diesem Jahr. Mit Advents und Weihnachtsliedern unter anderem aus Spanien, Franken, Portugal und Polen, mit einem russischen Wiegenlied oder auch dem Kanon „Mache dich auf und werde Licht“ bewies Chorleiter Hubert Voigt einmal mehr sein Gespür für eine stimmige Dramaturgie. So ging es auf eine wunderbar gestimmte Reise durch die Welt und durch die Zeit. Auch in den Genuss des „Ave Maria“ von Manuel Rabelo (Portugal), das vor zwei Jahren seine Deutschlandpremiere in Suhl erlebte, kam das Publikum zu diesem wunderbaren Konzert. Das wirkte dank der Sopranistin Ines Becher („Erlöse und vom Übel“ von Peter Cornelius) und der aus Ungarn stammenden Organistin Andrea Malzahn so fabelhaft arrangiert, dass sich viele Konzertbesucher einig darin waren, einen der bisher schönsten Ars Musica-Auftritte erlebt zu haben.
Auch wenn diese Konzerte längst Selbstläufer sind, die hohen stimmlichen Qualitäten sind es nicht. An ihnen wird immer wieder intensiv gearbeitet – einmal im Monat an einem Probenwochenende. Eingedenk der Tatsache, dass die wenigsten der 40 Sänger noch in Suhl leben und manche sogar aus Bern oder Lissabon anreisen, wird klar, wie groß die Liebe zum Gesang und zu der über etliche Jahrzehnte gewachsenen Gemeinschaft sein muss.

Synonym für Anspruch
Um so schmerzlicher für die Sänger wie für das Publikum: Hubert Voigt verkündete, dass dies das letzte Weihnachtskonzert von Ars Musica unter seiner Leitung sein werde. Hubert Voigt, der 1972 den Suhler Knabenchor aus der Taufe hob, aus dem 1994 der Männerchor Ars Musica entwuchs, ist 73 Jahre alt. Es sei für ihn, der die Kräfte schwinden spüre, an der Zeit, kürzer zu treten. „Ich verabschiede mich im nächsten Jahr von dem Chor und ich bin froh, dass wir solch ein ausgezeichnetes Konzert zum Abschied in Suhl geben konnten“, sagt Hubert Voigt. Für viele im Publikum kam diese Ansage überraschend. Joachim Schwennicke, einer der treuesten Ars Musica-Fans sagte, was viele dachten: Danke, dass Ars Musica über all die Jahre Suhl so schöne Konzerte erleben ließ.
Ars Musica – das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Wenn man so will, ist das ein Synonym für hohe Ansprüche und eine Gemeinschaft von Sängern, die schon seit Jahrzehnten gemeinsam ihrer Leidenschaft im Chor frönen. Viele von ihnen kennt Hubert Voigt seit sie sechs oder sieben Jahre alt sind und damit seit dem Tag, als er den Knabenchor an den Start schickte, auf dass er mit einer neuen Klangfarbe einen neuen Akzent in das Kultur-Gefüge der Stadt bringen möge.
Das war ihm nur bis Anfang der 1990er-Jahre vergönnt. Seine Stelle wurde mit der Auflösung der Philharmonie vakant. Das damalige Kultusministerium wollte eine Brücke über das Gymnasium bauen, an dem die Dirigentenstelle hätte angedockt werden können, doch über diese Brücke wollte die Stadt Suhl damals nicht gehen. Damit war es an Hubert Voigt, zu gehen. „Mit den mir zugestandenen 12-Wochen-Stunden für den Chor konnte ich nicht viel anfangen – ich wollte ja keinen Pionierchor leiten.“
Der Vater des Suhler Knabenchores ging in das Allgäu nach Wangen an die Musikschule als Gesangslehrer und Chordirigent. Er ging nicht gern, aber er brauchte für sich und seine Familie eine Perspektive. Ein bisschen hadert er noch immer mit der Situation, die ihn um die Weiterentwicklung des Knabenchores und somit um ein Stück seines Lebenswerkes brachte.
Als der Knabenchor seinen 20. Geburtstag feierte, fanden sich Sänger von 18 bis 27 Jahren zusammen, die ihre Stimmbildung genau hier bekommen hatten. Dieser Chor begeisterte die Zuhörer mit einer außergewöhnlich frischen Klangfarbe. „Daraus entstand die Idee, die erstaunlich gut erhaltene Qualität weiter zu pflegen“, sagt Thorsten Weiß, der Vorsitzende des Vereins Ars Musica. Über eine doch eher ungewöhnliche Probenpraxis und bislang über 100 Konzerte hat sich Ars Musica einen Ruf ersungen, der alles andere als selbstverständlich ist. Stimmen voller Glanz, der frei wirkende Fluss der Tempi, schier schwebende, glasklare Töne, lupenreine Intonation – diese Worte finden Kritiker der Konzerte von Ars Musica nur zu gern. Dazu gesellt sich die Folgerung, dass der Chor internationale Güte habe und ganz nah dran sei an der Qualität von Berufssängern.

Das Ende bleibt offen
Diese Stimmen sollen nun in Suhl nicht mehr zu hören sein? Das lässt sich nur schwerlich glauben. Es werde noch einige Proben geben und auch noch eine Konzertreise nach Siebenbürgen, sagt Thorsten Weiß. Was dann mit Ars Musica wird, sei heute schwer zu beantworten. „Wir wollen erst einmal mit der Konzertreise einen ordentlichen Abschluss schaffen. Was dann kommt, müssen wir entscheiden – unter der Prämisse, dass Hubert Voigt, der uns so lange ausgebildet, begleitet und zusammengehalten hat , nicht mehr unser Leiter sein wird.“ Möglich, dass es als eine Art Projektchor weitergeht. „Möglich ist aber auch, dass wir sagen: Okay, es war eine gute Zeit. Und die ist jetzt vorbei. Auf keinen Fall aber wollen wir aber ein langsames Sterben des Chores, wenn möglicherweise Schlüsselstimmen wegbrechen. Wir haben immer höchste Ansprüche an das Niveau des Chores gehabt und davon werden wir nicht abweichen“, so Thorsten Weiß.
Mit dem Wissen, dass Ars Musica vielleicht nie mehr in Suhl zu hören sein wird, hallt das Weihnachtskonzert in einer ganz besonderen Stimmung aus Wohlklang und Dankbarkeit nach.

Herbei, o ihr Musikliebhaber und lauschet dem lieblichen Klang

Einen musikalischen Höhepunkt im bunten Weihnachtskonzert-Reigen setzten die Sänger von Ars Musica am Sonntag in der Kreuzkirche. Die glasklaren Stimmen rissen Hunderte Zuhörer hin.

Suhl – Wenn sich die Konzerte kurz vor dem Weihnachtsfest häufen, ist es schwierig, genau das zu finden, dass den Zuhörer zur Ruhe kommen lässt und besinnlich stimmt. Die Herren von Ars Musica trafen am Sonntagnachmittag bei ihrem Auftritt in der Kreuzkirche genau den richtigen Ton. Mit einer Mischung aus anspruchsvollen christlichen Stücken, Adventsliedern aus
Deutschland und der Welt, Volksweisen und bekannten Weihnachtsliedern gewannen sie das Interesse der Zuhörer, die zahlreich erschienen waren, alle Kirchenbänke sowie die drei Emporen bis
auf den letzten Platz füllten.
„Freut euch“, forderte Superintendent Martin Herzfeld in seinen Begrüßungsworten auf. Denn „Freut euch“ schrieb auch der Apostel Paulus für den vierten Adventssonntag,an dem es gelte, Altes neu zu entdecken. Die Adventszeit sei nicht nur mit Stress verbunden, es sei eine Zeit, „zur Freude zu kommen“ –und genau das wünschte der Superintendent den Zuhörern. Kantor Philipp Christ eröffnete an der Eilert-Köhler-Orgel das Adventskonzert. Es erklang Johann Sebastian Bachs „Pièce d’Orgue“.
Mit „Heilig ist der Herr Zebaoth“, eifrigen Kirchgängern als Lied zum Abendmahl geläufig, stimmten dann die ehemaligen Knabenchorsänger von Ars Musica das erste Stück an. Weitere getragene Melodien wie „Öffnet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt oder Ludwig Winands „Adventsstern“ schlossen sich an. Das Publikum lauschte hingerissen und vermied den das Konzert auseinanderreißenden Applaus zwischen den einzelnen Stücken – obwohl die Sänger nach jedem Lied eben solchen verdient hätten.

Akribische Probenarbeit

Einmal im Monat kommen die etwa 40 Sänger von Ars Musica zu einer Probe im Heinrichser Gemeindehaus zusammen. Leiter Hubert Voigt arbeitet dann ein Wochenende lang akribisch an den Feinheiten der anspruchsvollen Männerchorliteratur, lässt wiederholen und gibt als studierter Dirigent Hinweise. Vom wohlklingenden Ergebnis konnten sich die Zuhörer am Sonntag überzeugen. Jede Textzeile, jede Silbe hallte in glasklarer Qualität durch das Kirchenschiff. Wogener
Applaus brandete auf, als die letzten Zeilen von Colin Mawbys „Jubilate“ verklungen waren.

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Foto: frankfoto.de

Hunderte sangen im Kanon

Im zweiten Teil waren nach dem Orgelstück „Chaconne B-Dur“ von Johann Bernhard Bach die Stimmen des Publikums gefragt. In den Kanon „Mache dich auf und werde Licht“ stimmten Hunderte ein. Außerdem hatten Ars Musica weitere bekannte Weihnachtslieder vorbereitet, die sie geschickt arrangiert darbrachten. „Süßer die Glocken nie klingen“, „Kommet ihr Hirten“ und natürlich „Adeste fideles“ – in den heimischen Stuben eher als „Herbei, o ihr Gläubigen“ gesungen – ließen manchen, wenn nicht mitsingen so doch zumindest rhythmisch mitwippen.

Erschienen im Freien Wort 22.12.2015
Autor: ot