Kategorie: Kritiken

Kritiken und Rezensionen zu Konzerten von Ars Musica

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2015, Kritiken

Herbei, o ihr Musikliebhaber und lauschet dem lieblichen Klang

Einen musikalischen Höhepunkt im bunten Weihnachtskonzert-Reigen setzten die Sänger von Ars Musica am Sonntag in der Kreuzkirche. Die glasklaren Stimmen rissen Hunderte Zuhörer hin.

Suhl – Wenn sich die Konzerte kurz vor dem Weihnachtsfest häufen, ist es schwierig, genau das zu finden, dass den Zuhörer zur Ruhe kommen lässt und besinnlich stimmt. Die Herren von Ars Musica trafen am Sonntagnachmittag bei ihrem Auftritt in der Kreuzkirche genau den richtigen Ton. Mit einer Mischung aus anspruchsvollen christlichen Stücken, Adventsliedern aus
Deutschland und der Welt, Volksweisen und bekannten Weihnachtsliedern gewannen sie das Interesse der Zuhörer, die zahlreich erschienen waren, alle Kirchenbänke sowie die drei Emporen bis
auf den letzten Platz füllten.
„Freut euch“, forderte Superintendent Martin Herzfeld in seinen Begrüßungsworten auf. Denn „Freut euch“ schrieb auch der Apostel Paulus für den vierten Adventssonntag,an dem es gelte, Altes neu zu entdecken. Die Adventszeit sei nicht nur mit Stress verbunden, es sei eine Zeit, „zur Freude zu kommen“ –und genau das wünschte der Superintendent den Zuhörern. Kantor Philipp Christ eröffnete an der Eilert-Köhler-Orgel das Adventskonzert. Es erklang Johann Sebastian Bachs „Pièce d’Orgue“.
Mit „Heilig ist der Herr Zebaoth“, eifrigen Kirchgängern als Lied zum Abendmahl geläufig, stimmten dann die ehemaligen Knabenchorsänger von Ars Musica das erste Stück an. Weitere getragene Melodien wie „Öffnet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt oder Ludwig Winands „Adventsstern“ schlossen sich an. Das Publikum lauschte hingerissen und vermied den das Konzert auseinanderreißenden Applaus zwischen den einzelnen Stücken – obwohl die Sänger nach jedem Lied eben solchen verdient hätten.

Akribische Probenarbeit

Einmal im Monat kommen die etwa 40 Sänger von Ars Musica zu einer Probe im Heinrichser Gemeindehaus zusammen. Leiter Hubert Voigt arbeitet dann ein Wochenende lang akribisch an den Feinheiten der anspruchsvollen Männerchorliteratur, lässt wiederholen und gibt als studierter Dirigent Hinweise. Vom wohlklingenden Ergebnis konnten sich die Zuhörer am Sonntag überzeugen. Jede Textzeile, jede Silbe hallte in glasklarer Qualität durch das Kirchenschiff. Wogener
Applaus brandete auf, als die letzten Zeilen von Colin Mawbys „Jubilate“ verklungen waren.

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Hunderte sangen im Kanon

Im zweiten Teil waren nach dem Orgelstück „Chaconne B-Dur“ von Johann Bernhard Bach die Stimmen des Publikums gefragt. In den Kanon „Mache dich auf und werde Licht“ stimmten Hunderte ein. Außerdem hatten Ars Musica weitere bekannte Weihnachtslieder vorbereitet, die sie geschickt arrangiert darbrachten. „Süßer die Glocken nie klingen“, „Kommet ihr Hirten“ und natürlich „Adeste fideles“ – in den heimischen Stuben eher als „Herbei, o ihr Gläubigen“ gesungen – ließen manchen, wenn nicht mitsingen so doch zumindest rhythmisch mitwippen.

Erschienen im Freien Wort 22.12.2015
Autor: ot
Foto: frankfoto.de

2014, Kritiken

Halleluja, die Suhler singen mit Ars Musica im Kanon

Mehr als 1000 Besucher erfreuten sich am Sonntagnachmittag in der Kreuzkirche am traditionellen Chorkonzert zum Advent von Ars Musica. Einen Teil des Erlöses erhält diesmal der Suhler Knabenchor.

Suhl – Nun kann Weihnachten kommen. Denn immer, wenn zum vierten Advent der Thüringer Männerchor Ars Musica in der Kreuzkirche auftritt, sind es nur noch wenige Stunden zum Fest. Und es ist auch stets das letzte Konzert im bunten Reigen der überaus zahlreichen vorweihnachtlichen in Suhl.

An diesem Wochenende konnte man gleich zwei wunderbare musikalische Glanzlichter erleben – Trombone Unit Hannover am Samstag in der propper vollen Hauptkirche, und einen Tag später Ars Musica. Über tausend Besucher füllten hier das Kirchenschiff bis unters Dach. Von derart viel Resonanz hat auch der Suhler Knabenchor etwas, aus dem Ars Musica hervorging, denn ein Teil der Einnahmen kommt diesmal ihm zugute.

Das Konzert ist eigentlich seit zwanzig Jahren ein Selbstläufer. Für viele Suhler ein „Muss“, wie anderenorts das Erlebnis des Bachschen Weihnachtsoratoriums. Die Zuhörer wissen um die stimmliche Qualität von Ars Musica, an der immer wieder intensiv gearbeitet wird, selbst wenn es ein Freizeitvergnügen bleibt. Obgleich eines mit einem hohen Anspruch aller Beteiligten. Das macht alle Konzerte bis auf den heutigen Tag so hörenswert.

Vor der bereits weihnachtlich geschmückten Kulisse des Kirchenraumes war der Nachmittag so recht dazu angetan, sich des nahenden Festes noch einmal bewusst zu werden und vielleicht ein bisschen innezuhalten. Superintendent Martin Herzfeld begrüßte die große Besucherschar und erinnerte in Bezug auf die eingangserklungene Orgelmusik – Bachs „Meine Seele erhebt den Herrn“, den Lobgesang der Maria –, dass die Liebe das Stärkste in der Welt ist, die alles überwinden kann. Etwas, das im Grunde an die Herzen der Menschen appelliert, sich dessen immer wieder bewusst zu werden. Was auch den Umgang miteinander meint. Egal welche Religion, welche Hautfarbe. Gerade in Deutschland vor Weihnachten aktueller denn je.

Wie jedes Jahr hat Chorleiter Hubert Voigt ein Programm zusammengestellt, das dem musikalischen Weihnachts-Mainstream einen kleineren Platz einräumt. Ars Musica präsentiert erneut eine musikalisch anspruchsvolle Reise durch die Zeit und durch die Welt. Mit manchem, was früher hier schon erklang und ins Repertoire des Chores gehört, und einigen neuen Titeln. Voigt macht sich immer wieder die Mühe, weniger Bekanntes aufzuspüren. Den ersten Teil prägen eher stille, getragene Weisen, wie beispielsweise Anton Schoendlingers (1919-1983) „Winterklage“ oder Ludwig Winands (1940-2008) „Adventsstern“.

Wenn Ars Musica zum traditionellen Konzert am 4. Advent einlädt, bleibt kein Platz leer in der Suhler Kreuzkirche

Deutschlandpremiere

Damit kann man geschickt einen Bogen schlagen zu historischem Liedgut. „O komm, o komm Emanuel“, ein altes Adventslied, oder „Wunderschön, prächtig“, eine Weise aus dem Kloster Einsiedeln in der Schweiz, um 1773. Das schlichte „Maria durch ein’ Dornwald ging“ ist schon eher vertraut, auch die Volksweise „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, zu dem es verschiedene Textvarianten gibt. Voigt entschied sich für jene mit einem christlichen Bezug. Bevor es in eine kleine Pause geht, schließt Händels berühmter Gesang „Tochter Zion“ diesen ersten Teil ab.

Danach und nach einem heiteren Orgelwerk des Franzosen Louis-Claude Daquin (1694-1772), gespielt von Kantor Philipp Christ, folgte der obligatorische Kanon zum Mitsingen. Bestehend aus nur zwei Worten: Halleluja und Amen. Erstaunlich, wie gut das jedes Jahr funktioniert, halb Suhl nämlich ziert sich nicht und singt aus voller Kehle. Und was herauskommt, lässt sich auch noch hören, bis zum letzten Ton. Wofür sich alle gegenseitig beklatschen. Es folgt nun die Hälfte der bekannten Weisen, „Süßer die Glocken nie klingen“, das russische „Bajuschkij“, „Hark The Herald Angels sing“ oder das Spiritual „Go tell on the mountain“, wofür Torsten Kullick als Solist für seinen hohen, glockenklaren Gesang einen Sonderapplaus erhält.

Eine Deutschlandpremiere erleben die Suhler gleich noch mit, das „Ave Maria“ des portugiesischen Komponisten Manuel Rebelo. Ars Musica hatte es beim Lissabon-Aufenthalt Anfang Dezember gemeinsam mit dem Chor von Rebelo, den „Emotion Voices“, aus der Taufe gehoben. Kein Ende ohne „Stille Nacht, heilige Nacht“. Der berühmte „Andachtsjodler“ setzt dann als Zugabe für den begeisterten Applaus den letzten Ton. Und während die Massen beseelt aus der Kirche in den erleuchteten Steinweg strömen, beginnen gar die Glocken zu läuten …

Erschienen im Freien Wort 22.12.2014
Autor: Lilian Klement
Foto: frankfoto.de

2014, Kritiken

Adventslieder schon mal in Lissabon gesungen

Der vierte Advent in Suhl ist immer mit einem feinen Konzert von Ars Musica in der Kreuzkirche verbunden. So auch diesmal.Das Programm erklang bereits in Lissabon.

Suhl – Für viele Suhler Musikfreunde gehört zum vierten Advent traditionell der Besuch des Weihnachtskonzertes vom Thüringer Männerchor Ars Musica. Das Programm in der Kreuzkirche setzt alljährlich einen emotionalen musikalischen Schlusspunkt kurz vor Heiligabend,entsprechend ist die Atmosphäre im Gotteshaus immer eine besondere.

Das wird auch am 21. Dezember nicht anders sein, wenn Hubert Voigt und seine Sänger einstimmen aufs Fest. Die Programmzusammenstellung ist eine bewährte – weihnachtliche Weisen aus den verschiedensten Ländern und ein Auftakt ander Orgel mit Bach, gespielt von Kantor Philipp Christ. So wird manches Vertraute und gern Gehörte dabei sein, wie unter anderem „Bajuschkij“ – ein Wiegenlied aus Russland –-,„Süßer die Glocken nie klingen“ oder das festliche „Hark! The Herald Angels Sing“, ein Weihnachtslied aus England in einer Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartholdy, oder die schlichte Volksweise „Es ist für uns eine Zeit angekommen“.

Auch „Adeste Fideles“ trällern viele Menschen in Deutschland munter, zumindest die Melodie. Was manche indes nicht wissen, diese schöne Lied kommt aus Portugal. Und genau dort war am ersten Dezemberwochenende ein Großteil der Mitglieder von Ars Musica, in der Hauptstadt Lissabon und in der Umgebung und hat dabei auch schon einmal dieses Weihnachtsprogramm vorgestellt.

Bei Uraufführung dabei

Es war die Idee des Chorsängers Peter Rindfleisch. Der wohnt in der Nähe von Lissabon kommt dennoch regelmäßig einmal im Monat per Flieger nach Deutschland, um an den Proben in Suhl teilnehmen zu können. Er ermunterte seine Mitsänger dazu, doch auch einmal zu einer Probe nach Lissabon zu reisen. Ja, warum denn nicht? Dass der Männerchor diese Gelegenheit auch zu Auftritten nutzen würde, versteht sich bei dieser, dem Gesang verschworenen Truppe fast von selbst. Also organisierte Peter Rindfleisch drei Konzerte um den zweiten Advent herum. Eines davon fand in der evangelischen deutschen Kirchgemeinde von Lissabon statt, dort wirkte Ars Musica an einem Gottesdienst mit. Die Gemeinde hatte auch den Probenraum für die Sänger aus Deutschland zur Verfügung gestellt.

Zwei weitere Auftritte wurden gemeinsam mit dem portugiesischen Chor „Emotion Voices“ gestaltet, einer davon im weltbekannten Hieronymus-Kloster und ein anderes in der Kirche von Estoril. Die Zusammenarbeit mit „Emotion Voices“ habe großen Spaß gemacht, erzählt Alexander Vierling von Ars Musica. Es sei ein gemischter Chor, der erst seit einem Jahr bestehe, lauter junge Leute und ein sehr ambitionierter Dirigent und Sänger namens Manuel Rebelo, der auch komponiere. So habe man beispielsweise gemeinsam mit „Emotion Voices“ eine Uraufführung von Rebelo gesungen.

Da viele Ars-Musica-Mitglieder erstmals in Portugal waren, nutzten sie natürlich die Gelegenheit, um sich ein wenig umzuschauen, die Sehenswürdigkeiten von Lissabon beispielsweise und in der Atlantik-Stadt Estoril.

Und wenn sie dann am Sonntag „Adeste Fideles“ anstimmen, mag in dem einen oder anderen Chorsänger garantiert noch einmal das PortugalErlebnis anklingen.

Erschienen im Freien Wort 17.12.2014
Autor: Lilian Klement

2013, Kritiken

Familienfest mit Ars Musica

Der Nachmittag des 4. Advent gehört in Suhl traditionell Ars Musica. Der Chor lud in der Kreuzkirche zum Konzert, fast 1000 Musikfreunde kamen.

Suhl – Was Freunde des a-cappella-Gesanges mögen – Stimmkultur und Emotionen – dies und noch einiges mehr an Unverwechselbarkeit, all das bekamen die Suhler Musikfreunde beim gestrigen Konzert von Ars Musica geboten. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Kreuzkirche erlebte das Publikum beim traditionellen Konzerttermin des Thüringer Männerchores, zudem sich vor 19 Jahren ehemalige Sänger des Suhler Knabenchores unter Leitung von Hubert Voigt zusammengefunden haben, bewegende anderhalb Stunden. Ein Konzert, das Herz und Gemüt erwärmte und so recht die weihnachtliche Stimmung einfing. Der Alltagsstrass blieb am vierten Adeventsnachmittag vor der Tür, als Kantor Philipp Christ auf der Eilert-Köhler-Orgel mit dem „Concerto del Signor Albinoni“ auf das Konzert einstimmte.

Mit Orgel und Solisten
Und dann erklangen sie, die zumeist klassischen Lieder aus dem angestammten Chor-Repertoire: Dimitrij Bortnjanskijs „Heilig ist der Herr Zebaoth“, „Maria durch ein Dornwald ging“, das „Ave Maria“ – zum einen von Jacob Arcadelt, zum anderen von Charles Gounod- „O Messias“, ein Titel aus dem Spanischen, Ludwig Winands bekannter „Adventsstern“ und etliche andere. Altbekanntes, altbewährtes, aber immer wieder gern gehört.

Wer Hubert Voigt kennt, weiß um seine Qualitätsansprüche, die er an einen Chor stellt. Wobei hinzukommt, dass die die Sänger – mittlerweile bundesweit verstreut – nur einmal im Monat zur Probe in Suhl zusammenfinden können. Erst wenn auch die letzte Nuance sitzt, dann ist das Lied auch für den Chorleiter reif zur öffentlichen AUfführung. Doch immer wieder setzt Hubert Voigt in den Konzerten neue Akzente. Diesmal mit der Einbindung der Orgel oder mit den Soli von Ines Becher. Sie sing seit ihrer Schulzeit in der Jugendmusikschule „Württembergisches Allgäu“ Wangen in den Chören von Hubert Voigt, erhält seit drei Jahren bei ihm Einzelunterricht. Mit Georg Friedrich Händels „Dignare o Domine“ und Johann Sebastian Bachs „Agnus Dei“, auf der Orgel begleitet von Philipp Christ, wusste die junge mezzosopranistin das Publikum zu überzeugen. Ebenso mit glasklaren Vorträgen Thorsten Weiß, Thorsten Kullick und Dany Hofmann, die Solisten aus dem eigenen Stall.

20-jähriges im nächsten Jahr
Bevor das Konzert zum Finale anhob, war auch diesmal wieder beim gemeinsamen „Quodlibet“ das sangesfreudige Publikum gefragt. Der fast 1000-stimminge Chor konnte durchaus auch den anspruchsvollen Chorleiter beeindrucken. Zum Schluss lauschten die Freunde des a-cappella-Gesanges solch gefühlvollen Liedern wie „Als die Welt verloren“, „Süßer die Glocken nie klingen“, „Still o Himmel“ oder „Bajuschkij“. Ohne Zugaben „im Wald“ und das wohl bekannteste Weihnachtslied „Stille Nacht“ – ließen die Zuhörer Ars Musica nicht von der Bühne.
Zufriedene Gesichter beim Publikum – zufriedene Gesichter beim Chorleiter und Sängern. „Diese Konzerte sind fast ein Familienfest. Es kommen immer sehr viele Bekannte, das freut uns sehr“, sagt Alexander Vierling, der Pressesprecher des Vereins. Er ließ durchblicken, dass für das nächste Jahr einiges geplant sei. Immerhin begeht der Chor dann sein 20-jähriges Bestehen, und Chorleiter Hibert Voigt wird 70. Von einem Chorlager und einem Konzert in der Erfuter Severein-Kirche ist die Rede.
Auch dieses Adventskonzert stellte der Chor in den dienst einer sozialen Aufgabe. Von jeder Eintrittskarte geht ein Euro an das Projekt „Starke Mädchen – coole Jung“, initiert vom Suhler Jugendtreff „Auszeit“.

Erschienen im Freien Wort 23.12.2013
Autor: Lilian Klement

2012, Kritiken

Der größte Suhler Chor mit über 1000 Stimmen

Suhl So voll wie zu den jährlichen Konzerten des Thüringer Männerchors Ars Musica ist die Suhler Kreuzkirche selten. Selbst unterm Dach auf der dritten Empore waren am Sonntagnachmittag nur noch vereinzelt Plätze frei. Wer nah bei den Sängern im Kirchenschiff sitzen wollte, musste sehr früh seinen Platz sichern, wer später kam, konnte sich von den Emporen einen Überblick verschaffen. Gelohnt hat sich der Kirchenbesuch aber für alle.

Die 35 stimmgewaltigen Männer, die aus dem Suhler Knabenchor entwachsen sind, ließen musikalische Wellen durch die Kirchenhalle rollen, denen sich kein Zuhörer entziehen konnte. Chorleiter Hubert Voigt hatte ein Programm zusammengestellt, das Weihnachtslieder von Spanien bis Russland präsentierte.

Den Auftakt machte „O komm, o komm, Emanuel“ von Christoph Bernhard Verspoell, das man im Henneberger Land seltener hört. Der katholische Priester schuf das Lied Anfang des 19. Jahrhunderts, als im Gefolge der Aufklärung die Übersetzung und Neuschaffung von katholischen Kirchenliedern in deutscher Sprache eine Blüte erlebte. Bis heute erfreut es sich im Bistum Münster, aus dem Verspoell stammt, großer Beliebtheit. Von Münster flogen die Stimmen mit „O Messias“ nach Spanien.

Der folgende „Adventsstern“ von Ludwig Winand gewann nicht nur durch den weihnachtlichen Bezug eine besondere Aktualität. Der langjährige Musiklehrer und Chorleiter Winand aus Siegen ist erst vor wenigen Tagen einem Herzleiden erlegen. Es ist eine Art später Ehrung, dass seine Komposition nun noch die Zuhörer im fernen Suhl rühren konnte.

Die Auswahl der Lieder erfrischte die im Adventsrausch vielleicht etwas abgestumpften Ohren wohltuend – modernere Vertonungen von Klassikern, wie etwa Eichendorfs „O Du gnadenreiche Zeit“ durch Hermann Ophoven, gepaart mit Bekanntem wie der Thüringer Volksweise „Süßer die Glocken nie klingen“ und ausländischen Liedern wie „Als die Welt verloren“ aus Polen.

Ein Höhepunkt zur Halbzeit des Konzertes war der gemeinsame Gesang des „Quodlibeth“. Chorleiter Voigt brachte das gesamte Publikum, getrennt in Männer und Frauen, zum Mitsingen. Die Zuhörer warteten schon auf diesen Einsatz, gehört es doch zu den langjährigen Traditionen, beim Adventskonzert von Ars Musica Teil des in diesem Moment größten Suhler Chores mit mehr als 1000 Stimmen zu werden. oa

Erschienen im Freien Wort 24.12.2012
Foto: frankphoto.de

2012, Kritiken

O sanfter, süßer Hauch

Vierzig Jahre Chorgesang in Suhl – das war dem Thüringer Männerchor Ars Musica ein besonders Konzert wert. Das Publikum feierte alle Mitwirkenden in der Hauptkirche.

Suhl – Vor vierzig Jahren, 1972, gründete sich in Suhl der Knabenchor unter Hubert Voigt und machte damit der Stadt ein Geschenk. Zwanzig Jahre später verließ er die Stadt, um die Früchte seiner Arbeit gebracht, doch auf dieser Erfahrung wuchs schließlich auch Ars Musica, ein exzellenter Thüringer Männerchor. Ars Musica, das sind jene ehemaligen Suhler Jungs, die das ABC des Singens unter Hubert Voigt gründlich lernten; längst im Leben stehend, und die zusammen mit dem Dirigenten eine verschworene künstlerische und auch menschliche Gemeinschaft bilden. Bis auf den heutigen Tag. Hubert Voigts Leitspruch, „das Einfache und Schlichte in der Musik zu meistern, ist stets eine große Kunst“, den haben die Ars-Musica-Männer ebenso verinnerlicht.

Die Suhler Wurzeln

Es ist müßig zu fragen, ob der jetzige Knabenchor ein solches Ereignis wie Samstagabend in der Hauptkirche im Blick gehabt und hätte leisten können. Ars Musica und Hubert Voigt, dem hiesigen Publikum mit zwei Konzerten im Jahr immer noch in Treue verbunden, haben ihre Wurzeln nicht vergessen, sie zehren davon. Und deshalb war es in diesem ehrgeizigen Ensemble auch selbstverständlich, schon vor fast zwei Jahren dieses Sonderkonzert zu planen, das 450 begeisterte Besucher in der Hauptkirche genossen. Bereits im Januar 2011 fanden die ersten Proben dazu statt. Und ermuntert zum Mitmachen waren zudem all jene, die zu den ersten Mitgliedern des Knabenchores gehörten und heute nicht mehr singen.

Immerhin, sechs haben sich getraut, und sangen im ersten Teil jene Volkslieder mit, die sie schon aus früheren Zeiten im Knabenchor kannten, und wahrscheinlich werden sie das nicht bereut haben.

Was dieses Konzert besonders macht, das ist natürlich dieser sanfte süße Hauch von Chorgesang, wie es Voigt ermöglicht und wie es in einer Liedzeile von Mendelssohn Bartholdy heißt. Dieses wurde am Ende des Programms so betörend, so fein dargeboten, dass man fast den Atem angehalten hätte – gemeinsam mit dem einstigen Mädchen-Kammerchor aus dem Württembergischen Allgäu, den Voigt nach seinem Weggang aus Suhl an der dortigen Musikschule aufgebaut hatte. Auch hier Sangeskultur auf höchstem Niveau. Die jungen Frauen, die des Öfteren Konzerte in Suhl mitgestalteten, sie kamen überraschend, im Programm war ihr Auftritt deshalb nicht ausgedruckt.

Also dieser betörende Hauch von Stimmen, von Sangesqualität. Besonders macht dieses Konzert zugleich auch die übergreifende Idee, das Konzept, gemeinsam mit dem jetzigen Knabenchor an dieses Jubiläum zu erinnern. Das ist mehr als eine symbolische Geste. Voigt will damit etwas sagen: Er will die jetzigen jungen Sänger ermuntern, ihr Hobby zu lieben und es mit Eifer und Ernsthaftigkeit zu betreiben, und zeigen, was möglich ist, wenn man es will. Der jetzige Leiter Robert Grunert hat als Thomaner seine Erfahrungen in Kindheit- und Jugendjahren gemacht, er weiß ebenfalls um die Härten: Ohne Fleiß kein Preis. Leicht hat er es seinen Knaben mit ihrem Part in diesem Programm nicht gemacht, Lieder von Johannes Brahms, Hugo Distler, Thomas Morley sind anspruchsvoll, daran dürfen sie noch gewaltig wachsen. Dass der Schlusschor aus Bachs bekannter Motette „Jesu meine Freude“ erklang, hat etwas mit der Geschichte des Knabenchores zu tun. Der sang 1992 unter Voigt das komplette Werk in einer Sendung des ZDF in der Aktion „Sorgenkind“. Dieser Auftritt, der war ein Höhepunkt, den wohl keiner der damals daran beteiligten Jungs vergessen hat.

Für seinen eigenen Part hatte Ars Musica russische Weisen, einen Kanon von William Boyce, ein Werk von Heinrich Schütz und Lieder von Anton Bruckner ausgewählt – Stücke, wo die Trauben hoch hängen, wenn man sie künstlerisch erreichen will. Die Solo-Auftritte in dem über zweistündigen Programm gehörten der schönen Stimme von Ines Becher aus Wangen, die unter anderem mit einer Händel-Arie und „Abschied“ von Rheinsberger, gemeinsam mit Dany Hofmann von Ars Musica, betörte (am Klavier Annett Mey). Und Voigts Töchter Maria (Violine) und Charlotte (Violoncello, zusammen mit dem Akkordeonisten Miroslaw Tybora), die erfolgreich Musik studierten, erfreuten nicht nur das Herz des Papa ob ihrer versierten Spielweise.

Ein gemeinsamer Kanongesang mit dem Publikum und tosender Beifall beendeten einen außergewöhnlichen Chor-Abend. Zu dessen Anlass Bürgermeister Klaus Lamprecht vor den Zuhörern bemerkte: „Wenn etwas vierzig Jahre hält, dann muss es gut sein.“ Eine Verpflichtung für die Zukunft …

Erschienen im Freien Wort 18.06.2012
Autor: Lilian Klement
Foto: frankphoto.de

2011, Kritiken

Gesang, der ins Ohr und in die Herzen geht

Ein großartiges Weihnachtskonzert erlebten die Besucher beim traditionellen Auftritt von Ars Musica am vierten Advent in der Kreuzkirche. 900 Euro davon gehen an die Suhler Kindertafel.

Suhl – Immer dann, wenn Ars Musica zu ihrem Chorkonzert zum Advent einladen, dann strömen die Menschen in Scharen in die Kreuzkirche. So auch am Sonntag. Nur auf den hinteren Reihen der Emporen waren noch frei Plätze zu finden. Ansonsten durften sich die Sänger über größtes Interesse freuen. „Als ob es nichts Wichtigeres gäbe, als nur das Eine. Und da gibt es für einen Nachmittag wirklich nichts Wichtigeres als das Eine“, freute sich Superintendent Martin Herzfeld über die riesige Resonanz.

Die Besucher ihrerseits waren von der weihnachtlich geschmückten Kirche begeistert. Und spätestens mit dem Einmarsch des 30-köpfigen Chores zog eine feierliche Stimmung ein. „Die Lieder gehen Wege, um die Ohren zu erreichen“, sagte Herzfeld und sprach damit den Gästen aus den Herzen.

Ein Genuss fürs Publikum

Wieder einmal zeigte der Chor unter Leitung von Hubert Voigt, was in ihm steckt. Stimmlich ein Genuss für jeden Zuhörer. Dass bei der Auswahl der Lieder eine musikalische Reise durch die Welt unternommen wurde, hatte einen zusätzlichen Reiz. Mit „O Messias“ einem Weihnachtslied aus Spanien, „Kommet ihr Hirten“ aus Böhmen, „Ein Kind ist uns geboren“ aus den Alpen, „Still o Himmel“ aus Bayern oder „Bajuschkij“ aus Russland konnte der Chor sich nachdenklich, mitreißend, besinnlich und stimmgewaltig präsentieren. Zwei Versionen von Ave Maria, die weniger bekannte von Jacob Arcadelt und die beliebte von Charles Gounod, waren ein faszinierendes Geschenk an die Gäste. Gekonnt zeigten die Solisten Thorsten Weiß und Torsten Kullick, wie einfühlsam gerade das letztere Ave Maria interpretiert werden kann.

Spätestens beim Klang von „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, gab es auch den einen oder anderen Sänger im Publikum, der nicht mehr an sich halten konnte. Mit dem Lied „Heut ist ein Tag der Freude“ traf man den Nerv dieses einzigartigen Nachmittags. Insgesamt war das Konzert ein Grund zur Freude. Schwierig fiel es indes, nicht nach jedem einzelnen Einsatz in Beifall zu verfallen. Superintendent Herzfeld hatte darum gebeten, zwischen den Stücken Ruhe zu bewahren.

Sein Können bewies einmal mehr Kantor Philipp Christ an der Orgel. Er spielte die Pastorale F-Dur BWV 590. Ein Höhepunkt war der Auftritt von Ines Becher mit „Bereite dich Zion“. Die Künstlerin hat seit ihrem siebten Lebensjahr an der Jugendmusikschule „Württembergisches Allgäu“ in Wangen unter der Leitung von Hubert Voigt gesungen. Seit drei Jahren erhält sie bei ihm Einzelgesang. Welches Können in seiner Ausbildung und welches Potenzial in ihrer Stimme steckt, das konnte sie beeindruckend vorführen.

Zum gemeinsamen Gesang forderte Hubert Voigt die Gäste in der Mitte des Konzerts auf. „Die erste Zeile singen die Damen, die zweite die Herren und anschließend wird der Männerchor einsetzen. Gestern haben wir das schon mal in Erfurt geprobt. Es ist ganz einfach“, versicherte er den Anwesenden. Während die Frauen zunächst etwas zögerlich einstimmten, ermutigte der Chorleiter mehrfach zum Mitmachen. Angesteckt davon fielen die Männer in den Gesang ein. Schließlich wurde die Kirche, bis hinauf unter das Dach, von einem vielstimmigen „Halleluja“ erfüllt. Ein Gefühl der Gemeinsamkeit machte sich breit. Nun schwand auch langsam das Licht, dass bis dahin durch die Fenster gefallen war und tauchte den Kirchenraum in eine anheimelnde Atmosphäre.

Verdient großer Beifall

Genau der richtige Zeitpunkt, um noch einmal den Gesängen von Ars Musica zu lauschen. Auch wenn manch einer gerne noch einmal mit eingestimmt hätte. Denn bei „Süßer die Glocken nie klingen“ bewegten sich fast alle Lippen im Publikum mit.

Die „Heilige Nacht“ zum Abschluss, sehr intensiv vorgetragen, war wie eine Botschaft in Richtung des bevorstehenden Festes. Nun endlich war der Zeitpunkt gekommen, den Künstlern den Beifall zu zollen, den sie sich wahrlich verdient hatten. „Das war wunderschön“, war anschließend immer wieder zu hören“. Und wie sagte eine Frau so schön: „Es ist eben doch etwas ganz anderes, als sich nur eine CD anzuhören“.

Zum Abschied versicherte Hubert Voigt, dass ein Euro aus jeder Eintrittskarte an die Suhler Kindertafel geht. Immerhin sind das 900 Euro, wie Alexander Vierling von Ars Musica die Freies-Wort-Lokalredaktion informierte. Das Ensemble hatte den Betrag zudem noch ein wenig aufgerundet.

Erschienen im Freien Wort 21.12.2011
Autor: Doreen Fischer
Foto: frankfoto.de

2010, Kritiken

Stimmen, die zu Herzen gehen

Das Adventskonzert von „Ars Musica“ ist seit langem Tradition. Am Sonntag lud der Chor gemeinsam mit „Ars Vocalis“ in die Kreuzkirche ein.

Suhl – Der letzte Ton verliert sich im entferntesten Winkel unterm Kirchendach. Für einen Moment noch hält das Publikum andächtig inne. Dann brandet Beifall auf – und das nicht nur für ein erstklassiges Konzert, nein überhaupt für einen 4. Adventssonntagnachmittag, wie er hätte anheimelnder nicht sein können.

Das Konzert, zu dem „Ars Musica“ jeweils am letzten Adventssonntag in die Kreuzkirche einlädt, ist aus dem Veranstaltungskalender der Stadt Suhl nicht mehr wegzudenken und seit Jahren eine feste Größe für anspruchsvollen Chorgesang. Und allemal für Überraschungen gut. Auch in diesem Jahr standen den jungen Männern mit „Ars Vocalis“ sangesfreudige und den Suhlern bereits aus früheren Konzerten bekannte Mitstreiterinnen aus Wangen (Allgäu) zur Seite. Eine musikalische Liaison, die den jungen Leuten nicht nur auf der Bühne sichtlichen Spaß bereitet und die nicht von ungefähr kommt, werden doch bekanntlich beide Chöre von Hubert Voigt geführt, dem ehemaligen Suhler und ebenso anspruchsvollen wie erfolgreichen Chorgründer-, leiter und -dirigenten. 750 Musikfreunde gönnten sich den musikalischen Genuss dann auch an diesem Sonntag und erlebten ein Konzert, das die Spannung bis zum letzten Akkord hielt.

Bekanntes und Neues

Mit dem Bachschen Präludium C Dur gestaltete Kantor Philipp Christ an der Eilert-Köhler-Orgel zudem ein stimmungsvolles Entree, das die Erwartung des Publikums steigen ließ. Dann der Solo-Part des Thüringer Männerchores „Ars Musica“ mit klassischen deutschen und internationalen Weihnachtsliedern. Neben bekannten und immer wieder gern gehörten Titeln hatte Hubert Voigt mit seinen Sängern auch Neues einstudiert – wie das mittelalterliche „Ave Maria“ von Arcadelt, gesungen in Latein. Populäre Melodien – erwähnt seien „Öffnet die Tore weit“ oder das Negro-Spiritual „Go tell it on the Mountain“, ein Dauerbrenner des Chores, bei dem so mancher mit den Fußspitzen wippte – wechselten sich mit Liedern ab, die für Gänsehautfeeling sorgten. So beispielsweise beim Titel „Im Wald“, eine alte Volksweise aus der Alpenregion, mit der der erste Teil des dreigeteilten Konzertes abschloss. Ein strahlender Hubert Voigt, sichtlich zufrieden mit dem Vortrag seiner Mannschaft und seiner Solisten (Thorsten Kullick und Thorsten Weiß), entließ den Männerchor für ein Weilchen, um sich mit seinem raumgreifenden Dirigat den jungen Damen von „Ars Vocalis“ zuzuwenden.

Spenden fürs Gemeinwohl

Diese setzten mit ihren Weihnachts- und Hirtenliedern und ihrem klaren, virtuosen Vortrag das nächste Achtungszeichen an diesem Konzertnachmittag. Ihre glockenklaren Stimmen – allen voran die Solistinnen Ines Becher (Mezzo-Sopran), Iris Dirlewanger (Sopran) und Claudia Staub (Alt) ließen die Vermutung aufkommen, hier treten Sängerinnen auf, die das Fach studieren.Weit gefehlt! Wie bei „Ars Musica“ ist auch „Ars Vocalis“ ein reines Amateurensemble. Dass beide Chöre auf so hohem Niveau singen (trotz nur einer Probe im Monat), kommt nicht von ungefähr und ist der gezielten intensiven Stimmbildung Hubert Voigts zu verdanken. 1972 legte er mit der Gründung des Suhler Knabenchores dafür die musikalische Basis, auf der er bei „Ars Musica“ – allesamt ehemalige Knabenchor-Sänger – bis heute aufbauen und zurückgreifen kann.
Und so setzte dann auch der gemeinsame Auftritt beider Chöre mit dem bekannten Kanon „Alleluia“ über „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ bis hin zu „Joy to theWorld“ einen fulminanten Schlusspunkt unter das anderthalbstündige Konzert.

Wie immer verbindet „Ars Musica“ mit seinem Adventsevent einen Benefizgedanken. So ging diesmal 1 Euro je Eintrittskarte an das Hospiz in Meiningen. Und die Kollekte, um die die Sänger baten, soll zur Erneuerung der Heizung in der  Kreuzkirche eingesetzt werden. Stattliche Sümmchen kamen so zustande. „Wir haben aus der Vereinskasse noch etwas drauf gepackt und können je 800 Euro dem Hospiz und der Kreuzkirchengemeinde zur Verfügung stellen“, nannte Vereinschef Thorsten Weiß das Ergebnis. Und auch für die Mitstreiterinnen aus Wangen schnürten die „Ars Musica“-Sänger kleine Überraschungspäckchen – gläserne Vögelchen aus dem Lauschaer Sortiment als Gruß aus Thüringen ins Allgäu.

[message_box type=“note“ icon=“yes“ close=“Hide“]Erschienen im Freien Wort 21.12.2010
Autor: Ruth Schafft
Foto: frankfoto.de
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2009, Kritiken

Gesang wärmte die Herzen

Weihnachtskonzert: Mehr als 800 Zuhörer lauschten in der Kreuzkirche Ars Musica

Suhl – Der hohen Kunst der Musik frönte der Thüringer Männerchor am Sonntagnachmittag bei seinem traditionellen Weihnachtskonzert im wahrsten Sinne des Wortes. In einer brechend vollen Kreuzkirche, in der selbst von der dritten Empore geneigte Augenpaare in den Altarbereich herabblickten, stiegen weihnachtliche Gesänge in höchster Vollendung in den Himmel. Etwa 800 Zuhörer hatten sich an dem klirrend kalten Tag eingefunden, um den alterwürdigen Weisen zu lauschen. Zusätzliche Stühle wurden in den Mittelgang gestellt.

Orgelklänge zur Einstimmung
Unter der Leitung von Hubert Voigt zeigten die gut 30 Sänger von Ars Musica einmal mehr, dass sie zu Recht vor vier Jahren beim internationalen Chorwettbewerb in Wernigerode das Goldene Diplom für „Anspruchsvollen Männerchorgesang“ in der Semi-Profi-Kategorie erhalten hatten. Zum vierten Mal in diesem Jahr präsentierte der Chor, dessen Mitglieder aus der ganzen Bundesrepublik, der Schweiz und Portugal anreisen, sein Weihnachtsprogramm.
Am ersten Adventswochenende hatte er Konzerte in der Erfurter Martinikirche und in der Klosterkirche Rohr, am Vortag in der Kirche von Rieth/Rhön gegeben. Eröffnet und abgerundet wurden seine herrlichen Darbietungen mit vier Stücken von KMD Elisabeth Schubert an der Orgel, die noch einmal kurz vor ihrem Eintritt in den (Un-)Ruhestand Ende des Monates einige Kostproben ihres herausragenden Könnens gab. Gleich zu Anfang griff sie zu Dietrich Buxtehudes „Präludium, Fuge und Ciacona CDur“ feierlich in die Tasten. Später erfreute sie die Zuhörer mit zwei sparsam registrierten, liedhaft getragenen Choralbearbeitungen desselben Komponisten und einer „Pastorale“ von Domenico Zipoli – einem italienischen Hirtenlied, bei dem der Glöckchenklang der Tiere nicht fehlen durfte. Superintendent Martin Herzfeld begrüßte herzlich Akteure und Gäste und dankte Reiner Recknagel, „dass es möglich ist, trotz der Eiseskälte draußen in dieser Kirche länger als fünf Minuten auszuhalten.“ Er freute sich über das Zusammenkommen der Menschen „alle Jahre wieder“ und verwies auf den Aspekt des Mutmachens, der mit den Texten einhergehe. Der Chor führte sich mit zwei gegensätzlichen Weisen ein, der „Winterklage“ von Anton Schöndlinger und dem spanischen Weihnachtslied „O Messias“, welches die Ankunft des Königs beschwört. Auch im Folgenden arbeiteten die Sänger die Unterschiede zwischen den einzelnen Chorsätzen eindrucksvoll heraus. Insbesondere beim dreiteiligen Marien-Block zeigten sie ihre Finesse, dem Marienlob jeweils eigenständige Profile zu verleihen. Gänsehautverdächtig war ihre Intonation von „Maria durch ein“ Dornwald ging“, einem Volkslied aus dem Eichsfeld. „Ave Maria zart“ von Johann Georg Braun und „Wunderschön Prächtige“, eine spätbarocke Weise aus dem Kloster Einsiedeln, folgten in schmelzender Lieblichkeit. Ein kräftiger Ruf von Andreas Hammerschmidt „Öffnet die Tore weit“ belebte das Terrain des ersten (Advents-)Teils, dem ein prächtig kolorierter Händel mit „Tochter Zion, freue dich“ aus dessen beliebtesten Oratorium „Judas Maccabaeus“ in nichts nachstand.

Was wäre ein Weihnachtskonzert ohne die Möglichkeit, als Zuhörer selbst mitzusingen? Dieser Neigung trugen Kanons Rechnung. Der zweite (Weihnachts-)Teil eröffnete mit Friedrich Silchers „Alle Jahre wieder“, und schwang sich über den makellosen Wohlklang verschiedener Weihnachtslieder, die Eichendorff- und Storm-Texte zur Grundlage hatten, über Stücke aus Schlesien und Polen zu einem exzellenten Finale auf: Beethovens „Hymne an die Nacht“.

Spende für Förderzentrum
Ein Chormitglied verwies auf den wohltätigen Zweck, der mit dem hinreißenden Konzert Hand in Hand ging: Ein Euro pro Eintrittskarte geht an das Suhler Förderzentrum in der Aue, die Kollekte soll der Innenausstattung der Kreuzkirche zugute kommen. Mit einer eindrucksvoll verklingenden alpenländischen Weihnachtsweise wurde dem Wunsch nach einer Zugabe stattgegeben. Noch ein vereintes „Stille Nacht, heilige Nacht“, dann trat das erfüllte Publikum hinaus in das wilde Schneegestöber.

[message_box type=“note“ icon=“yes“ close=“Hide“]Erschienen im Freien Wort 22.12.2009
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2009, Kritiken

Ehemalige Chorknaben sangen

Rieth – Adventskonzert: Ars Musica begeisterte über 100 Zuhörer in der Riether Kirche

Dass der Winter am vierten Adventswochenende gleich so unbarmherzig zuschlug, das bedurfte einiger Gewöhnung. Dennoch fanden etwa 100 Leute den Weg zum Riether Kirchberg, um das Konzert des Thüringer Männerchor „Ars Musica“ aus Suhl miterleben zu können. Glüchwein sorgte zudem schon vor dem Konzert für innerliche Wärme, das von der Bläsergruppe Rieth eröffnet und mit dem gemischten Chor aus Rieth fortgesetzt wurde. Die Sänger von „Ars Musica“ waren in Rieth nicht ganz unbekannt, denn schon zweimal waren sie in den vergangenen 15 Jahren zu Gast, allerdings immer nur mit einem Teil des Chores. So war es ihr größter Wunsch, einmal in voller Besetzung in Rieth auftreten zu können.

Das ist nicht ganz einfach, da die einstigen Mitglieder des Knabenchores der Suhler Philharmonie mittlerweile in ganz Deutschland „verstreut“ sind. Am vergangenen Samstag nun gelang es ihnen, in kompletter Besetzung mit ihrem Leiter Hubert Voigt ein sehr anspruchsvolles Konzert dazubieten, das von den Zuhörern begeistert aufgenommen wurde. Mit Kompositionen von Georg Friedrich Händel, Friedrich Silcher, Josef von Eichendorff oder Willi Trapp bewiesen sie ihre hohe gesangliche Qualität. Mit Liedern aus Spanien, Polen, Schlesien oder dem Volkslied aus dem Eichsfeld „Maria durch ein Dornwald ging“ setzten sie ihr Programm fort. Wieder einmal zahlte sich die von Voigt akribisch betriebene Einzelstimmbildung bei seinen einstigen Chorschülern bis heute aus. Als besonders eindrucksvoll und echtes Gesangserlebnis erwies sich die vorgetragene „Hymne an die Nacht“ von Beethoven. Trotz der niedrigen Termperaturen belohnen die Sänger den großen Beifall mit einer Zugabe.

Gegründet wurde der Männerchor 1994 von ehemaligen Sängern des Suhler Knabenchores. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1972, als Hubert Voigt den Knabenchor gründete. Einmal dem Gesang verschrieben, lag die Fortsetzung in einem Männerchor nahe. Die Schwierigkeiten des Chores, der sich der Pflege anspruchsvoller Chorliteratur verschrieben hat, bestehe darin alle einmal fürProben zusammen zu bekommen. Einmal im Monat aber schaffen sie es in der Regel und geben im Laufe des Jahres sechs bis sieben Konzerte. Hinzu kommen in diesem Jahr vier Weihnachtskonzerte. Dazu gehörten am 4. Advent das Konzert in Rieth und ein weiteres in ihrer alten Heimat Suhl.

[message_box type=“note“ icon=“yes“ close=“Hide“]Erschienen im Freien Wort 21.12.2009
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