Aus zwei mach eins mit dem richtigen Ton

Frauenchor „Ars Vocalis“ aus Wangen probt mit Suhler Männerchor „Ars Musica“ für Konzert

Suhl/Wangen – Der Regen tropft die Burgmauern hinunter – plop, plop. Drinnen klopf Hubert Voigt den Takt – tock, tock. Der Nebel steigt um das alte Gemäuer auf, drinnen erfüllen Stimmen hell den Raum. Auf der Johanniterburg in Kühndorf hallt der Chorgesang von „Ars Musica“ und „Ars Vocalis“ wieder.

Die Chöre arbeiten unter der Leitung von Hubert Voigt an einem gemeinsamen Projekt – ein Gedenkkonzert anlässlich des 200. Geburtstages von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch ein eigenes Jubiläum haben sie zu feiern. Vor zehn Jahren begann die Zusammenarbeit zwischen Suhl und Wangen im Allgäu. 1999 gaben die Chöre erste gemeinsame Konzerte in Hildburghausen und Breitungen. 2004 und 2007 folgten weitere Auftritte in den Heimatregionen.

Probe 03.2009 mit Ars VocalisZwei Chöre aus einer Hand

„Die Qualität der Chöre ist gleich, weil sie aus einer Hand geschaffen wurden“, sagt Michael Ehricht und meint damit die Arbeit von Hubert Voigt. Er baute in Suhl den Knabenchor auf. Aus ihm ist mittlerweile der Männerchor geworden. Als Voigt 1993 nach Wangen im Allgäu ging, setzte er seine Chorarbeit fort. Er leitete einen Mädchenchor, der zum Jugendkammerchor und schließlich zum Frauenchor wuchs. Er führte „seine“ Chöre zusammen. „Mit Männer- und Frauenstimmen und verschiedenen Chorstrukturen ist die Abwechslung größer und das ist auch für den Zuhörer angenehmer. Auch das Angebot an Chorliteratur ist für gemischte Chöre größer und man kann die Klangkultur ausschöpfen“, sagt Voigt zu der gemeinsamen Arbeit von „Ars Musica“ und „Ars Vocalis“. Die Mitglieder beider Gesangsgruppen sind längst den Kinderschuhen entwachsen und über ganz Deutschland verstreut, studieren und arbeiten. Doch für die Proben im eigenen oder gemischten Chor kommen sie immer wieder zusammen.

„Im Chor zu singen, ist schön, weil es so homogen klingt. Mit den Männern zusammen wird der Klang kompletter und die hellen Stimmen von uns werden ausgeglichen“, sagt Ines Becher.

Das Holz knistert im Kamin. Taschen liegen auf dem Boden, daneben die Ordner mit den Notenblättern. „Alt, Sopran“, gibt Voigt das Zeichen zum Einsatz für die Frauen, lässt eine Hand durch die Luft fliegen und schlägt mit der anderen die Töne am Klavier an. Gesungenes „Ma, ma, ma“ tönt durch den Raum. „Die gemeinsamen Proben sind eine große Bereicherung, man kann sechs-, sieben- oder achtstimmig singen, das ist ein ganz anderes Feeling“, sagt Anja Städele. Gemeinsam singen macht Spaß und ist eine Abwechslung.

Leise singen die Frauen. „Stopp, stopp“, unterbricht Voigt, „meine Schuld, ich habe mich so berauscht an dem wunderbaren Klang“, sagt er, als er sich verspielt, und lacht. Doch schon gleich darauf kehrt der ernste Gesichtsausdruck zurück und er klopft den Takt.

„Jetzt lassen wir die Herren auch mal ein Stück singen“, sagt Voigt und gibt für den anderen Teil des gemischten Chors auf Zeit den Einsatz. Die klaren, hellen Stimmen der Frauen tönen aus den vorderen Reihen, die dunklen, tiefen Stimmen der Männer sind aus den hinteren Reihen zu hören. „Wenn wir auf der Bühne sind, die Männer hinter uns stehen und mit den tiefen Stimmen einsetzen, kriege ich immer eine Gänsehaut. Das ist so ein Surround Sound“, sagt Anna-Sophia Hänsler. Sie war schon bei der ersten Begegnung der beiden Chöre 1999 dabei.

Immer wieder stellen sie sich der Herauforderung, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Das Gemeinschaftsgefühl schweißt die Chormitglieder und auch die beiden Chöre zusammen. Neben der ganztägigen Probe, gibt es an den Abenden die Möglichkeit, die Freizeit miteinander zu verbringen. „Es macht Spaß, weil ein Gemeinschaftsgefühl herrscht. Es ist wie in einem Sportverein, nur das Anspruchsvoll-Künstlerische hebt uns eben von einem normalen Sportverein ab“, sagt Marco Wagner.

„Der wandernde Musikant“ sollen sie nach den Einzelstimmproben singen. „Die Zusammenarbeit ist bereichernd. Ich finde es schade, dass solche Projekte nicht öfter stattfinden. Mittlerweile kennt man sich besser und man hat sich eingespielt“, sagt Christoph Zabel. Auch bei dem Lied „Der erste Frühlingstag“ fliegen die Hände von Voigt durch die Luft und er lächelt, wenn seine Chöre gemeinsam singen.

Gefühl für die eigene Stimme

A-cappella-Gesang hat Voigt schon während seiner Studienzeit in Weimar begeistert. Damals hatte er die Idee, Kindern und Jugendlichen das Gefühl für die eigene Stimme zu geben und an eine anspruchsvolle A-cappella-Gruppe heranzuführen. Dass ihm das mit dem Suhler Knabenchor, den er ins Leben rief, und später mit „Ars Musica“ und „Ars Vocalis“ im „Doppelpack“ gelungen ist und diese beiden auch miteinander harmonieren, davon können sich Konzertbesucher am 27. und 28. Juni überzeugen. Dann treten die Chöre gemeinsam auf und geben das Mendelssohn-Gedenkkonzert in Suhl und Schleusingen. Wenn die hellen und tiefen Stimmen gemeinsam erklingen, sollen dann nicht nur die Sängerinnen und Sänger eine Gänsehaut bekommen.

HideErschienen im Freien Wort 07.03.2009
Autor: Linda Hellmann
Foto: frankfoto.de

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